Teil 2 - Reisebericht Peru 2019

Teil 2 - Reisebericht Peru 2019

von Monika Isceri-Hägeli

Seit dem letzten mail ist nur wenig Zeit vergangen und für mich doch extrem viel passiert und ich habe viel erlebt.

Noch am Donnerstag-Abend sind wir ins Kinderheim nach Cieneguilla gefahren, zur Heimleiterin Hanni, der Gründerin des Heims, einer lieben Schweizerin, welche ihr Leben damit verbringt, armen Kindern zu helfen.

Das Heim befindet sich in einem Aussenquartier von Lima. Der Weg dahin führt durch ärmliche Quartiere über völlig kahle, graubraune Hügel. Sogar die wenigen Palmen und Kakteen sehen leidend aus. Alles scheint wie mit Staub überzogen, sogar der Himmel. Man denkt da schnell wie privilegiert wir doch sind und wie ist es möglich hier zu leben. Und plötzlich gibts da wieder ein grünes Tal wo ein Fluss durchfliesst - und da im Grünen befindet sich das Heim.

Die grösseren Kinder sind noch beim Nachtessen und begrüssen uns gleich mit Umarmungen und grosser Freude. Ein kleiner frecher Bub kam gleich auf mich zu und erzählte ohne Scheu, dass er der Schönste im Heim sei, wegen seiner tatsächlich faszinierenden blauen Augen. Er hat mich gleich zum Lachen gebracht. Fast alle sind sehr offen und zeigen grosse Freude am Besuch und natürlich an den Geschenken (Turnschuhe für die Schule, Kleider für die Kleinen und Spielsachen für alle). Die einzelnen Geschichten die hinter den fröhlichen Gesichtern stecken, bringen einen aber zum Weinen. Das kleinste Baby ist bloss ca. 8 Monate alt und wurde im Plastiksack gefunden. Es braucht dringend Untersuchungen, welche es noch nicht kriegt, weil es keinen Namen hat; erst muss es registriert werden, etc. Andere kommen aus Problemfamilien, wo sie Gewalt erlebt haben. Das Heim ist einfach eingerichtet, hat aber sogar ein Schwimmbecken. Hier lernen die Kinder wieder Kind sein und können ohne Ängste spielen, lachen und rumtoben.

Am Freitag haben wir das Abenteuer Huancayo in Angriff genommen. Dazu gings von Lima mit dem Bus über einen 4812 m hohen Berg in die Stadt, welche auf 3250 m liegt. Für mich war die Reise sehr spannend. Am Rande von Lima wieder die kahlen Hügel und der graue Himmel. Je höher und weiter wir kamen, desto schöner wurde die Vegetation. Der Himmel mal blau, mal regnerisch. Ich habe die Fahrt super gut überstanden und mit der Höhe zum Glück absolut keine Probleme, dies im Gegensatz zu Jeannette. Sie hat die Reise schlecht vertragen. Alle Medikamente haben wenig geholfen. Seit Samstag geht es so einigermassen, mal ein bisschen besser, mal schlechter. Was sie alles auf sich nimmt um Kinder glücklicher zu sehen, ist einfach unglaublich.

Während Jeannette schlief bin ich mit der lieben Freundin Lilian gleich auf Besichtigungstour gegangen. Ich habe einen wunderschönen Park sehen dürfen, wo aus Stein wunderschöne Böden und Figuren hergestellt werden. Das Fortbewegungsmittel sind Kleinbusse und Taxis, die auch schon bessere Tage gesehen haben. In diese Fahrzeuge quetscht sich jeder rein. Es wird laut geplaudert und die Musik ist noch lauter. Fahren tut auch hier jeder wie irr. Alles faszinierend.

Am Samstag gings dann los mit der Fahrt ins Mädchenheim mit 5 riesigen Koffern voller warmer Winterkleider, Schuhen und Spielsachen. Nach ein paar Umwegen haben wir das Heim gefunden. Wir wurden schon ungeduldig erwartet. Die Begrüssung und Freude aller Mädchen und auch von den Betreuern war so extrem herzlich, dass man fast weinen könnte vor Freude. Als erstes wurden uns sofort die neuen Duschen und WC-Anlagen gezeigt. Da gibts jetzt sogar ein extra kleines WC für die jüngeren Kinder. Zudem haben sie mit einer von einer Peruanerin gespendeten Solaranlage warmes und kaltes Wasser. Es sieht alles wunderbar aus. Es gibt aber immer noch Vieles zu tun.

Die Mädels schlafen immer zu viert im Zimmer. Jedes hat ein kleines Gestell für die persönlichen Sachen. Zudem gibt es ein Spielzimmer, welches auch erst kürzlich fertiggestellt werden konnte - dank der Embolo Foundation -, einen Ess-Saal und die Küche. Wir hatten mit allen Mädchen ein wunderbares Mittagessen genossen. Sie zeigten so grosse Freude an der Abwechslung und stellten viele Fragen. Die einzelnen Geschichten sind auch hier happig d.h. extrem traurig. Es gibt Mädchen, welche aus Alkoholiker-Familien kommen, vergewaltigte, ausgesetzte oder geschlagene Kinder. Was die Mädchen alles erlebt haben in ihrem jungen Leben ist einfach unfassbar. Und sie haben nicht den gleichen Schutz wie er in der Schweiz besteht.


Am Nachmittag sind wir in die Stadt zurückgefahren, im Bewusstsein, dass wir am Sonntag nochmals hingehen würden zum Einweihungsfest.

Noch am Samstagnachmittag waren wir beim hiesigen Fussballclub (Escuela de Futbol chuponcito - manrique) eingeladen. Hier werden talentierte Jungs gefördert, welche auch aus Familien mit geringen finanziellen Möglichkeiten kommen. In Peru müssen Eltern nebst dem Schulgeld auch jeden Kurs für ihre Kinder selbst bezahlen. In diesem Club werden Kinder kostenlos gefördert. Sie kommen auch von weit her. Wir konnten ihnen ganz viele neue Shirts und Hosen des FC Basel bringen. Die Freude der Kids und auch deren Eltern war riesig. Die Familie (2 Brüder mit dem Vater), welche diese Schule leitet, sind ebenfalls wunderbare Menschen. Wer weiss, evtl. gibt es auch hier Möglichkeiten für gemeinsame Projekte. Ideen sind da. Wir bleiben in Kontakt.

Am Sonntag gleich früh morgens gings zurück ins Mädchenheim an das Einweihungsfest. Sogar der Pfarrer kam für die Segnung der neuen, sanitären Anlagen. Was für uns so selbstverständlich ist, ist hier eine riesige Sache und fehlt vielen Menschen. Im Spielzimmer wurde die Messe abgehalten und anschliessend wurden die neuen Räumlichkeiten offiziell geöffnet und gesegnet. Dann gabs ein Festessen mit Poulet, Kartoffeln, Mais und anschliessend noch vielen Süssigkeiten. Die Mädchen hatten alle einen extrem gesunden Appetit. Es wurde so viel gelacht, gesungen und zur Musik getanzt. Es hat so viel Freude geherrscht. Es war ein unbeschreiblicher Tag, den wir nie vergessen werden und bei uns tief im Herzen bleiben wird. Es fällt einem unfassbar schwer, die lieben Kinder wieder verlassen zu müssen. Man würde sie alle gerne mitnehmen und helfen, dass sie ein gutes Leben haben dürfen. Die Kinder sind doch unsere Zukunft. Wie kann man diese unschuldigen Seelen mit Füssen treten.